3. Entwurfs- und Gestaltungspraktiken

Den dritten Schwerpunkt stellt die ästhetische Reflexion künstlerischer Entwurfsverfahren. Zu befragen sind hier ebenso Kunst- und Künstlerdiskurse wie das implizite Wissen der Gestaltungspraktiker selbst. Entwurfsbücher und künstlerische Selbstbeschreibungen verweisen ebenso auf ein Denken mit Bildern in Bildern (und gegen Bilder) wie es naturwissenschaftliche Bildpraktiken tun. Beide, Kunst und Wissenschaften, sind auf ihre Weise an praktischen Darstellungsproblemen interessiert. Und doch ist die jeweilige visuelle Reflexivität verschieden. Während künstlerische Verfahrensweisen in Singularisierungen (Arbeit mit konkreten Materialien etc.) wurzeln, beruhen wissenschaftliche Darstellungen im hohen Maße auf Wiederholbarkeit. In der Kunstpraxis zeigt sich eine spezifische Selbstreferenzialität der visuellen Gestaltung. Mittels paradoxer Interventionen werden Bildpraktiken sichtbar gemacht und Rahmungen aufgebrochen. Diese visuelle Reflexivität weist in der Irritation des Gewohnten auf die eigenen Grundlagen und somit überhaupt auf das, was sich als visuelles Denken apostrophieren lässt. Was ein schier unübersehbares Feld von Gegenständen zu eröffnen scheint, wird so einerseits um die Frage der visuellen Episteme, andererseits um die der visuellen Reflexivität gebündelt. Damit sind sowohl die visuellen Repräsentationen des Wissens als auch die Kritik und Eingrenzung ihres Geltungsbereichs im doppelten Sinne einer diskursivtheoretischen wie künstlerisch-praktischen Reflexion grundlegend. Unter dem Begriff der visuellen Episteme werden diejenigen medientheoretischen bzw. philosophischen Fragen verhandelt, die sich damit beschäftigen, wie mittels Sichtbarmachungen Wissen erzeugt und repräsentiert wird. Die Logik des Zeigens wie der Eigensinn des Visuellen bilden den Rahmen eines Bildwissens, das in den Fragen nach der Präsenz und der Unverneinbarkeit bildlicher Erscheinung sowie des Verhältnisses zwischen dem Sichtbaren, Nichtsichtbaren und noch nicht Sichtbar-Gemachten entfaltet werden soll.

english version


3. Creative and design practices

The third point of focus is an aesthetic reflection of artistic design practices. Both art and artists’ discourses as well as the implicit knowledge of design practitioners themselves are to be investigated. Like picture-based practices in natural sciences, so design books and artistic self-descriptions refer to a thinking with images in images (and against images). Of course, both art and science have a sharp interest in the practical problems of representation. Yet their respective visual reflexivity is quite different. Whilst artistic procedures are rooted in singularisation (i.e. a particular, unique work with concrete material etc.), scientific representation relies to a large extent on repeatability. Art practice reveals a specific self-referentiality with regard to visual design. Paradoxical interventions render picture / image practices visible whilst breaking up frameworks. By irritating the habitual, visual reflexivity thus points to its own foundation thereby problematising the very thing that is apostrophised as visual thinking. What appears to unfold onto an unlimited field of objects is thus bound to two central questions: the question of the nature of visual knowledge on the one hand, and the question of visual reflexivity on the other. In this sense visual representations of knowledge and the criticism and limitations of their realm of application are of double importance, as discursivetheoretical and as artistic-practical reflection. The umbrella concept ‘episteme’ is used in media discourse and philosophical questions concerning how exactly knowledge is created and represented by visualisation. The logic of showing and the characteristics of the visual constitute together a frame for pictorial knowledge, which is to be elaborated here with regard to questions pertaining to the presence and undeniability of pictorial phenomena and the relationship between the visible, the invisible and the not yet made-visible.